Oceans & More · Schiffstechnik

SWATH – ruhig durch bewegte See

SWATH-Schiffe verlagern einen großen Teil ihres Auftriebs in zwei tief liegende Unterwasserkörper. Nur schmale Stützen schneiden die Wasseroberfläche – dadurch koppeln Wellen deutlich schwächer an das Schiff an.

Small Waterplane Area Twin Hull geringe Wasserlinienfläche Forschung · Lotsen · Spezialschiffe
Prinzip eines SWATH-Schiffes Zwei untergetauchte Auftriebskörper tragen über schmale Stützen eine Plattform. Auftrieb weit unter der Wasseroberfläche
Grundprinzip

„Zwei U-Boote unter einer Plattform“

So lässt sich ein SWATH-Schiff vereinfacht beschreiben: Zwei torpedoförmige Schwimmkörper liegen vollständig oder fast vollständig unter Wasser. Die Plattform darüber ist nur über schmale Stützen verbunden.

1

Auftrieb in der Tiefe

Der größte Teil des verdrängten Wasservolumens liegt in den beiden Unterwasserkörpern. Dort nimmt der direkte Einfluss der Oberflächenwellen mit der Tiefe ab.

2

Kleine Wasserlinienfläche

Nur relativ schmale Stützen durchstoßen die Wasseroberfläche. Dadurch ändern Wellen das verdrängte Volumen weniger stark als bei einem breiten Rumpf an der Wasserlinie.

3

Ruhigere Plattform

Heave-, Roll- und Nickbewegungen können gegenüber konventionellen Rumpfformen deutlich reduziert werden. Das ist besonders bei Mess-, Arbeits- und Lotseneinsätzen wertvoll.

Querschnitt eines SWATH-Schiffs Plattform, schmale Stützen, Wasserlinie und zwei tief liegende Auftriebskörper. Wasserlinie Plattform schmale Stützen Unterwasserkörper kleine Fläche direkt an der Wellenzone
Konventioneller Rumpf

Großes Volumen an der Wasserlinie

Steigt eine Welle am Rumpf hoch, ändert sich das verdrängte Volumen vergleichsweise stark. Daraus entstehen größere wechselnde Kräfte und Momente.

SWATH

Kleine Wasserlinienfläche

Die Wellen treffen überwiegend auf die schlanken Stützen; der große Auftriebskörper bleibt tiefer im Wasser. Die Wellenanregung wird dadurch reduziert.

Verwandt, aber nicht gleich

Katamaran oder SWATH?

Beide Bauformen besitzen zwei Rumpfseiten und eine breite Decksplattform. Der entscheidende Unterschied liegt dort, wo der Auftrieb erzeugt wird: beim Katamaran überwiegend in den die Wasseroberfläche durchstoßenden Rümpfen, beim SWATH vor allem in tief liegenden Unterwasserkörpern.

Schematischer Querschnitt eines Katamarans Zwei schlanke Rümpfe besitzen an der Wasseroberfläche eine deutlich sichtbare Wasserlinienfläche. größere Rumpfquerschnitte an der Wasserlinie
Katamaran

Zwei wasserlinienbildende Rümpfe

Die schlanken Rümpfe tragen das Schiff direkt an der Oberfläche. Das ergibt viel Anfangsstabilität und eine meist höhere Tragfähigkeit, koppelt den Rumpf aber stärker an die Wellen.

Schematischer Querschnitt eines SWATH-Schiffes Nur schmale Stützen durchstoßen die Wasseroberfläche; die großen Auftriebskörper liegen darunter. nur schmale Stützen an der Wasserlinie
SWATH

Auftriebskörper unter der Wellenzone

Nur die schmalen Stützen durchstoßen die Oberfläche. Dadurch regen äußere Wellen das Schiff schwächer an; zugleich reagiert es empfindlicher auf Gewichts- und Trimmänderungen.

EigenschaftKatamaranSWATH
KonstruktionszielBreite Plattform, hohe Tragfähigkeit und häufig effiziente Fahrt mit schlanken Rümpfen.Möglichst ruhige Arbeitsplattform durch geringe Wasserlinienfläche.
Verhalten im SeegangMeist geringeres Rollen als ein vergleichbarer Einrumpfer; Hub- und Nickbewegungen bleiben jedoch deutlich an die Oberfläche gekoppelt.Oft geringere Hub-, Roll- und Nickbeschleunigungen, besonders im vorgesehenen Einsatzbereich.
Verbrauch in glattem WasserHäufig günstiger, weil die Rümpfe schlank sein können und meist weniger Fläche benetzt ist.Die große benetzte Oberfläche der Unterwasserkörper und Stützen kann den Reibungswiderstand erhöhen.
Zuladung und TrimmRelativ unempfindlich: Die größere Wasserlinienfläche liefert zusätzliche Auftriebsänderung.Empfindlicher: Kleine Gewichtsverlagerungen können Tiefgang und Trimm vergleichsweise stark verändern.
TiefgangOft geringer und damit günstiger für flache Häfen und küstennahe Einsätze.Meist größer, weil die voluminösen Auftriebskörper tief unter der Oberfläche liegen.
Wellen- und StoßbelastungZwischen den Rümpfen kann das Brückendeck bei ungünstigem Seegang aufschlagen („Slamming“).Geringere Wellenanregung, aber hohe strukturelle Anforderungen an Stützen, Querverbände und Anschlüsse.
Technischer AufwandMeist einfacher und kostengünstiger zu bauen und zu betreiben.Komplexere Struktur; häufig Ballast-, Trimm- oder aktive Stabilisierungssysteme erforderlich.
Typische AufgabenFähren, Passagierverkehr, schnelle Transportaufgaben, Freizeit- und Arbeitsschiffe.Forschung, Vermessung, Lotsenversetzen und Offshore-Arbeiten bei anspruchsvollem Seegang.
Katamaran: Transport im VordergrundVorteilhaft, wenn Geschwindigkeit, Tragfähigkeit, geringer Tiefgang und wirtschaftlicher Betrieb entscheidend sind.
SWATH: Arbeitsfähigkeit im VordergrundVorteilhaft, wenn geringe Schiffsbewegungen und die sichere Durchführung einer Mission bei Seegang wichtiger sind.
Keine allgemeingültige Rangfolge: Das tatsächliche Verhalten hängt von Größe, Geschwindigkeit, Beladung, Rumpfform, Wellenrichtung und Wellenperiode ab. Ein gut ausgelegter Katamaran kann einem ungünstig ausgelegten SWATH in einzelnen Kriterien überlegen sein.
Reale Beispiele

SWATH ist kein theoretisches Konzept

Die Bauform wird dort eingesetzt, wo eine möglichst ruhige Arbeitsplattform wichtig ist – etwa in Forschung, Lotsenwesen oder als Versuchsträger.

Interaktive Demonstration

Warum bewegt sich SWATH weniger?

Die Animation vergleicht schematisch einen konventionellen Rumpf mit einem SWATH-Schiff im selben Wellenfeld. Mit dem Regler können Sie den Seegang verändern.

Konventioneller Rumpfstärkere Kopplung an die Oberfläche
große Wasserlinienfläche → größere Heave-/Nickbewegung
SWATHkleine Wasserlinienfläche
Auftrieb tief unter Wasser → geringere schematische Bewegung
Hinweis: Diese Darstellung ist eine didaktische Animation und keine hydrodynamische Simulation. Das reale Bewegungsverhalten hängt unter anderem von Wellenperiode, Geschwindigkeit, Beladung, Geometrie und aktiven Stabilisierungsflächen ab.
Energie & CO₂

Ruhe hat ihren Preis – oder vielleicht doch nicht?

Die geringe Anregung durch äußere Wellen ist hydrodynamisch nicht kostenlos. Dabei müssen die vom fahrenden Schiff selbst erzeugten Wellen klar vom natürlichen Seegang unterschieden werden.

Das Schiff erzeugt Wellen

Auch in vollkommen glattem Wasser entstehen Bug-, Heck- und Seitenwellen. Die dafür abgegebene Energie erscheint als Eigenwellen- oder Wellenbildungswiderstand.

Der Seegang trifft das Schiff

Natürliche, von außen ankommende Wellen üben wechselnde Kräfte und Momente aus. Diese Wellenanregung verursacht unter anderem Rollen, Stampfen und Tauchen.

Der Widerstand nimmt zu

Durch die Begegnung mit dem Seegang benötigt das Schiff zusätzliche Antriebsleistung. Dieser Anteil heißt Zusatzwiderstand im Seegang.

Zwei gegenläufige Wirkungen

Mehr benetzte Oberfläche
mehr Reibungswiderstand
Kleine Wasserlinienfläche
schwächere Anregung durch äußere Wellen
Weniger Bewegung
höhere Einsatzfähigkeit
Vereinfacht
Antriebsleistung = Widerstand × Geschwindigkeit

In glattem Wasser gehören dazu unter anderem Reibungswiderstand und Eigenwellenwiderstand. Im natürlichen Seegang kommt ein Zusatzwiderstand hinzu. Welche Rumpfform günstiger ist, hängt deshalb stark von Geschwindigkeit, Geometrie und Seegang ab.

Animiertes Gedankenexperiment

Verändern Sie den äußeren Seegang und beobachten Sie, wie sich dessen zusätzlicher Widerstandsanteil verändert.

Konventioneller Rumpf

kleinere benetzte Flächeschematisch: 76

SWATH

größere benetzte Flächeschematisch: 76
Reibungswiderstand Eigenwellenwiderstand – vom Schiff selbst erzeugte Wellen Zusatzwiderstand – durch äußeren Seegang
Glatte See: Die größere benetzte Oberfläche kann das SWATH energetisch benachteiligen.
Wichtig: „Eigenwelle“ bezeichnet hier die vom fahrenden Schiff erzeugte Welle; der Regler verändert dagegen den von außen ankommenden Seegang. Die Balken zeigen bewusst keine Messwerte und keine allgemeingültigen Prozentzahlen, sondern nur die Wirkungsrichtungen eines beispielhaften Szenarios. Ein belastbarer Verbrauchsvergleich erfordert zwei konkret definierte Schiffe, Geschwindigkeit, Beladung und ein Wellenklima.
Liter pro Stundezeigt die momentane Leistungsaufnahme, sagt aber wenig über den erledigten Auftrag.
Liter pro Seemeilemacht Fahrten bei gleicher Distanz und Geschwindigkeit besser vergleichbar.
CO₂ pro erfolgreicher Missionberücksichtigt, ob das Schiff bei Seegang arbeiten kann oder abbrechen muss.

Ein SWATH ist nicht primär ein Schiff, das Energie spart. Es ist ein Schiff, das Seegang spart. Der mögliche wirtschaftliche und energetische Gewinn entsteht aus seiner höheren Einsatzfähigkeit.

Einordnung

Stabilität hat ihren Preis

SWATH ist besonders für Spezialaufgaben attraktiv, aber nicht für jedes Schiff die beste Lösung.

+ Ruhige ArbeitsplattformVorteil bei Forschung, Sensorik, Offshore-Arbeiten und beim Übersetzen von Lotsen.
+ Breites DeckDie Zweirumpfanordnung bietet eine große nutzbare Plattform über den beiden Auftriebskörpern.
− Empfindlich für ZuladungWegen der kleinen Wasserlinienfläche führen Gewichtsänderungen vergleichsweise schnell zu Änderungen von Tiefgang und Trimm.
− Größerer TiefgangDie tief liegenden Auftriebskörper benötigen mehr Wassertiefe als viele konventionelle Rumpfformen.
− Mehr benetzte FlächeDie untergetauchten Körper können einen höheren Reibungswiderstand verursachen.
± Aktive StabilisierungBei vielen SWATH-Entwürfen ergänzen Flossen oder Regelungssysteme die passive Rumpfwirkung.

Das Prinzip lässt sich auch im Modell zeigen

Zwei einfache 3D-gedruckte Unterwasserkörper, schmale Stützen und eine leichte Decksplattform reichen aus, um das SWATH-Prinzip in einem Aquarium anschaulich zu demonstrieren.

Animation erneut ansehen